Bellersen
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Backhaus2

Michael Meißner
Zum Mühlengrund
33034 Brakel-Bellersen
Fon 05276-416

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Einweihung des Backhauses
so wird das Bauernbrot gebacken
   


Geschichte des Bellerser Backhauses
, erzählt von Helmut Ulrich

Nach Beendigung der Baumaßnahmen zur Ausgestaltung des Tourismus-Musterdorfes Ende der 90er Jahre, reifte der Gedanke heran, auch noch ein Backhaus zu erstellen. Viele alte Bellerser konnten sich noch an die frühere Zeit erinnern, als nicht nur in der örtlichen Bäckerei, sondern auch in einigen Privathäusern in regelmäßigen Zeitabständen das typische Bellerser Graubrot gebacken wurde.

 


Bei Schollen z. B. hat man beim Backen auch nie den so genannten „Lohkuchen“ vergessen. Hierbei handelte es sich um ein kleines, fladenähnliches Brot, das nach dem Backen schnell auskühlte und somit sofort gegessen werden konnte. Dieser „Lohkuchen“ war besonders bei den Kindern sehr beliebt. Er hellte alle Kinderaugen auf, besonders dann, wenn er mit guter Butter und Nieheimer Käse belegt war.

All diese Erinnerungen wurden wieder wach, als Michael Meißner, Junior-Chef der hiesigen Bäckerei, den konkreten Anstoß zum Bau eines Backhauses gab und sich auch bereiterklärte, den Backbetrieb zu übernehmen. Gustav Schonlau, unser langjähriger Bezirksverwaltungsstellenleiter, war von dieser Idee sofort hell begeistert. Da das Backhaus historisch sein sollte, galt es nun, ein geeignetes Gebäude zu finden.

Die Nachfrage beim Westfälischen Freilichtmuseum in Detmold war nicht erfolgreich. Dann entdeckte er bei seinem Nachbarn in einer Bauernzeitschrift eine Anzeige über die Abgabe eines Gebäudes, das seinen Vorstellungen entsprechen könnte. Die Anzeige stammte vom Landwirt Spreen aus Oppenwehe bei Stemwede, Kreis Minden-Lübbecke. Er nahm sofort Kontakt mit der Familie Spreen auf, vereinbarte einen Ortstermin und erstellte Fotos.


Sein besonderes Augenmerk fand die Inschrift im Riegel über der Tür des ca. 4,50 m langen und ca. 5,0 m breiten Gebäudes. Hier sind das Baujahr 1815 und auch die Namen der damaligen Erbauer angegeben. Nach Angabe des jetzigen Eigentümers habe das Gebäude im Laufe der letzten Jahrzehnte als Lagerstätte und teils als Räucherkammer und Hühnerstall gedient. Da das Gebäude in den letzten Jahren nutzlos da stand und Teile des Fachwerks und Mauerwerks durch offene Stellen im Dach durch die Witterung schon stark in Mitleidenschaft gezogen waren, sollte es abgebrochen und entsorgt werden. Auf Vorschlag seines Sohnes habe er dann aber die Annonce in der Bauernzeitung aufgegeben. Was für ein Glück für Bellersen!


Gustav Schonlau hatte zunächst beim Amt für Agrarordnung in Warburg nach Fördermöglichkeiten gefragt und mit der Stadtverwaltung das Vorhaben erörtert. Da die Chancen für den Bau bzw. Wiederaufbau gut standen, scharte er einige fachbezogene Helfer um sich und der Abbruch konnte beginnen. Zunächst wurden alle Balken, Pfosten und Riegel gezeichnet, das Mauerwerk in den Gefachen Stein um Stein abgetragen und dann der Abbruch fachmännisch durchgeführt.


Gott sei Dank waren die Ziegelsteine (wie früher allgemein üblich) nur mit Lehm und Kalkmörtel vermauert worden.


Alle Bellerser, die beim Abbruch in Oppenwehe mit dabei waren, werden diese Tage in guter Erinnerung behalten. In den Pausen wurden wir von der Familie Spreen gut bewirtet, und es wurde auch nicht versäumt, gemeinsam einen echten Bellerser Obstbrand zu trinken.


Am 15. September 2002 war es dann soweit. Alle Materialien und Bauteile wurden verladen und von einem Bellerser Fuhrunternehmen „heimgeholt“. Nachdem alles winterfest eingelagert war, begann die Planung, die Sicherung der Finanzierung und die Suche nach einem geeigneten Standort.


Im Frühjahr 2003 waren alle Voraussetzungen für den Wiederaufbau gegeben. Als optimaler Standort erwies sich ein gemeindeeigenes Grundstück in der Nähe des Wohnmobilhafens (früher Papenkamp). Jetzt befindet sich dort auch noch der große Busparkplatz.


Wie schon beim Abbau in Oppenwehe machten sich wiederum fleißige Hände für den Wiederaufbau ans Werk. Zu den Hauptakteuren gehörten Gustav Schonlau und die sich im Ruhestand befindenden Maurer Franz Markus und Josef Bannenberg. Die Planung und Bauleitung lag in den Händen von Dipl.-Ing. Helmut Hasenbein. Viele darüber hinaus packten mit an. Auch ein Wohnmobilist aus dem Münsterland wollte dem Treiben in der Nachbarschaft seines Stellplatzes in Bellersen nicht tatenlos zusehen. Erich Krüpp griff ebenfalls zu Schüppe und Hammer.


Durch das tatkräftige Zupacken aller Bauakteure konnten erhebliche Kosten eingespart werden. Von den veranschlagten 60.000 € Gesamtkosten sind 30.000 € durch Zuschüsse des Amtes für Agrarordnung abgedeckt worden. Der übrige Teil ist in Eigenleistung durch Bereitstellen von Baumaterialien und Ableisten von Arbeitsstunden beigesteuert worden. Es wurden mehr als 1000 Arbeitsstunden freiwillig erbracht.


Ein besonderes Kleinod ist im Giebelfenster über dem Eingang des Backhauses neu hinzugekommen. Hier hat unsere heimische Glas-Künstlerin Ingrid Heuchel das Bellerser Wappen in Bleiverglasung geschaffen. Das Kunstwerk ist in der abendlichen Dunkelheit beleuchtet und vermittelt dadurch dem Betrachter eindrucksvoll die Glaskunst.


Am Samstag, den 29. März 2003 war es soweit, dass „unser Bellerser Backhaus“ offiziell seiner Bestimmung übergeben werden konnte. Im Beisein zahlreicher Ehrengäste und mit einem bunten Programm, das viele Besucher anlockte, weihten Bürgermeister Friedhelm Spieker und Landrat Hubertus Backhaus das Gebäude ein. Heinz Düsenberg, Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins, bedankte sich in der Festansprache bei dem tatkräftigen Backhausteam, aber auch bei allen anderen Helfern für ihren Einsatz. Durch den Bellerser Teamgeist sei ein weiterer Kulturschatz in unserem Dorf entstanden.


Eingeladen war auch die Familie Spreen aus Oppenwehe, die uns ja das Haus abgetreten hatte. Die zunächst bei ihr aufkommende Wehmut wich schnell der allgemeinen Festfreude und der Freude über die Gewissheit, dass ihr altes Backhaus von 1815 nun in Bellersen in neuem Glanz einen guten Platz gefunden hat.


Für Leben im alten Backhaus sorgt jetzt unser Jung-Bäckermeister Michael Meißner. Zur Freude vieler Bellerser und Besucher aus der Umgebung sorgt er dafür, dass in unserem historischen Backhaus Backtage in regelmäßigem Turnus stattfinden und unter anderem frischer Platenkuchen und vor allem das dorftypische knusprige Bellerser Holzofenbrot angeboten werden.

 

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kd